EuGH-Urteil: Widerrufsrecht bei Konzerttickets gilt eingeschränkt

Konzerte, Theaterbesuche, Sportevents – seit Beginn der Pandemie folgt eine Absage der nächsten. Statt das Geld zurückzuerstatten, bieten viele Veranstalter Gutscheine an. Eine Frau wollte lieber ihr Geld zurückhaben und klagte gegen den Ticketverkäufer CTS Eventim. Nun hat das Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg entschieden: Ein Widerrufsrecht für den Verbraucher gilt nur bedingt. Wenn Veranstalter wirtschaftliche Verluste riskieren, gilt es nicht, erklärten die Richter des höchsten EU-Gerichts am Donnerstag. Die Frau erhält deshalb kein Geld zurück.

In dem Fall ging es um ein Konzert von Peter Maffay und seiner Band in Braunschweig, das im Frühjahr 2020 wegen der Corona-Pandemie abgesagt wurde. Die Frau kaufte das Ticket über Eventim und verlangte die Erstattung des Kaufpreises und der zusätzlichen Kosten. Das Unternehmen gab ihr daraufhin einen Gutschein, den sie für andere Veranstaltungen bei Eventim hätte einlösen können.

Einer EU-Richtlinie zufolge steht Käufern bei Fernabsatzverträgen ein Widerrufsrecht zu, erklärte der EuGH nun. Dabei handelt es sich um Verträge zwischen Unternehmen und Verbrauchern, die über Fernkommunikationsmittel wie Internet, SMS oder Telefonanruf abgeschlossen worden sind. Dieses Widerrufsrecht gilt für zwei Wochen. Eine Ausnahme bestehe, wenn es sich um Freizeitbetätigungen zu einem bestimmten Termin handele. Mit dieser Regelung solle das Risiko für Veranstalter von Kultur- oder Sportveranstaltungen reduziert werden. Nehmen Käufer ihr Widerrufsrecht wahr, laufen die Organisatoren Gefahr, ihre Plätze nicht anderweitig vergeben zu können.

Entscheidend in diesem Fall war, dass nicht Eventim selbst das Konzert ausgerichtet hatte. Stattdessen verkaufte das Unternehmen die Karten auf Rechnung des Veranstalters, jedoch im eigenen Namen. Das Amtsgericht Bremen, vor dem die Käuferin klagte, wandte sich daraufhin an den EuGH und fragte, ob die Ausnahme vom Widerrufsrecht auch auf Vermittler zutreffe – wie Eventim eben. Dies bestätigten die EuGH-Richter nun. Die Begründung: Die Veranstalter würden weiterhin wirtschaftliche Verluste riskieren, auch wenn ein Ticket-Vermittler wie Eventim zwischengeschaltet sei. Dass Eventim einen Gutschein statt Geld zurückerstattet, ist laut EuGH-Urteil daher grundsätzlich zulässig. Über die konkrete Klage der Frau muss nun aber wieder das Amtsgericht Bremen entscheiden.

Bereits 2021 stand Eventim vor Gericht: Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen klagte gegen das Unternehmen und warf ihm vor, dass es nicht den vollständigen Kaufpreis zurückerstatte und die Vorverkaufsgebühren behalte. Das Landgericht München gab der Verbraucherzentrale Recht, das Urteil ist aber noch nicht rechtskräftig.

Reference-www.sueddeutsche.de

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