Payback lockt jetzt ins Casino

Payback lockt jetzt ins Casino

Ob der Nutzer volljährig ist, will die App wissen. Bitte ein Häkchen hinter dem Kasten machen. Es folgt ein weiterer wegzuklickender “Altershinweis”, das Spiel sei “ausschließlich für Nutzer ab 18 Jahren”, aber eine echte Alterskontrolle gibt es nicht. Dann öffnet sich eine grüne Wiese in einer quietschbunten Comicwelt, auf der ein virtuelles Dorf entstehen soll. Das erste Haus ist mit ein paar Klicks gebaut, doch schon sind die Münzen ausgegeben, die für weitere Investitionen nötig wären. Kein Problem, es gibt Nachschub. Ein über den Wolken der kindgerecht putzigen Spielwelt schwebender einarmiger Bandit spuckt sie aus – solange der Spieler dreht und gewinnt. Wer aber verliert, muss die Maschine füttern. Mit echtem Geld. Sonst geht das Spiel erstmal nicht weiter.

“Coin Master”, wie der Titel heißt, ist Teil der sogenannten “Spielewelt” von Payback. Die Punkte des Bonussystems gibt es nun auch für das Spielen bestimmter Handyspiele. Darunter sind Titel, für die sich die Glücksspielindustrie den Begriff “Social Casino” hat einfallen lassen. Sie dienen ihr dazu, sich jüngere Zielgruppen zu erschließen. Payback-Punkte gibt es nun also offenbar auch im Kindercasino.

Je mehr man spielt, desto mehr Punkte landen auf dem Konto. 140 Titel sollen es Payback zufolge insgesamt sein, mit deren Anbietern das Unternehmen eine entsprechende Kooperationsvereinbarung getroffen hat. Eine vollständige Liste stellt Payback nicht zur Verfügung. Die Nutzer bekommen ebenfalls keine Übersicht der Spiele zu sehen. Sie bekommen in der “Spielewelt”-Sektion in der Payback-App nur einige wenige Titel vorgeschlagen. Auf der Website des Unternehmens ist die Rede von einem “Empfehlungssystem”. Auf die Frage, wie es funktioniert, antwortet Payback, es beruhe “auf einem Algorithmus unseres Kooperationspartners adjoe”. Bei einem Versuch der SZ war das erste vorgeschlagene Spiel: “Coin Master”.

“Höchst problematisch” findet das der Suchtforscher

In Googles App-Store haben Nutzer das Spiel “Coin Master” mehr als Hundert Millionen Mal heruntergeladen. Die virtuellen Münzpakete, mit denen die Spieler den einarmigen Banditen füttern, kosten jeweils wenige Euro, aber das läppert sich, wenn man erstmal im Sog des Spiels ist und die Dörfer seiner mitspielenden Freunde zerstören oder das eigene vor Attacken beschützen will. Die Gaming-Mechaniken – nur noch ein bisschen, dann habe ich das Level geschafft! – und die des Glücksspiels – beim nächsten Versuch klappt es! – ergänzen sich gegenseitig.

Florian Rehbein, der an der FH Münster zu Suchthilfe und Suchtprävention forscht und sich mit “Coin Master” beschäftigt hat, nennt das Spiel “höchst problematisch”. Für Minderjährige gehe davon ein erhebliches Risiko aus. Es könne als “initiale Erfahrung” mit dem Glücksspiel dienen, also die Hemmschwelle senken, Geld in richtigen Casinos zu verjubeln – ohne die bonbonbunte Verpackung der Spielwelt. Zudem verlören viele Spieler auch in “Coin Master” erhebliche Summen. In einer noch unveröffentlichten Studie der Uni Hamburg zeigte mehr als jeder zweite ein pathologisches Spielverhalten, manche geben monatlich fünfstellige Summen aus. Dessen Anbieter setzt mit “Coin Master” monatlich rund 41 Millionen US-Dollar monatlich um. Hinter ihm stecken laut einem Bericht des ZDF Geldgeber aus der Glücksspielbranche. Wer die Coin-Master-App herunterlädt, bekommt im App-Store Titel wie “Billionaire Casino”, “Jackpot.de” oder “Match Masters” vorgeschlagen.

Letzteres ist ebenfalls Teil der “Spielewelt” von Payback. Das Spielprinzip ähnelt grob “Vier gewinnt”, allerdings entscheiden über Sieg und Niederlage nicht nur die Züge der Spieler, sondern auch Glück – und wie viel echtes Geld sie zu investieren bereit sind. “Pay to win”, heißt das Prinzip, das auch hier greift, ebenso wie in anderen Titeln in der “Spielwelt” von Payback. Der Glücks-Algorithmus von “Match Masters” ist laut einem Bericht von funk so konzipiert, dass man dazu verleitet werde, die virtuelle Maschine mit immer weiterem, echten Geld zu füttern. Einige der Entwickler der App haben im Karrierenetzwerk Linkedin Anbieter klassischer Glücksspiele als frühere Arbeitgeber angegeben. Wie “Coin Master” ist auch “Match Masters” bunt und fröhlich gehalten. Mit süßen Cartoon-Tierchen.

Payback teilte auf Anfrage mit, es handele sich “um reine Fun-Games, kein Gambling oder andere kritische Arten von Glücksspiel”. Auch bei “Coin Master” werde niemand dazu gezwungen, Geld auszugeben. Das ist richtig, die Spieler bekommen regelmäßig einige kostenlose Versuche, am einarmigen Banditen zu drehen. Wenn die daneben gehen, können sie entweder warten – und zusehen, wie ihre Dörfer zerstört werden. Oder zahlen. Vielleicht ist der einarmige Halunke ja heute gnädig. Vielleicht aber auch nicht.

Reference-www.sueddeutsche.de

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