Axel Weber: Abschied von der UBS

Axel Weber: Abschied von der UBS

Als der Deutsche Axel Weber 2012 nach seinem Abtritt als Bundesbankchef in den Verwaltungsrat der Schweizer Großbank UBS wechselte, wusste man noch nicht so recht, ob das eine gute oder eine schlechte Nachricht war – und für wen.

Weber, der sich während der Finanzkrise 2008 als robuster Krisenmanager mit gutem Gespür hervorgetan hatte, war in seinen letzten Jahren an der Spitze der Bundesbank in die Kritik geraten. Der angesehene Experte für Geld- und Währungspolitik hatte die Entscheidungen der EZB in der Euro-Krise offen kritisiert; er hielt es für falsch, Staatsanleihen von angeschlagenen Euro-Staaten zu kaufen. Sein Abgang 2011 erfolgte nicht wirklich im Guten.

Die UBS wiederum, Nummer eins auf dem Schweizer Finanzplatz, kämpfte 2012 noch immer mit den Nachwirkungen der Finanzkrise. Sie hatte sich schwer verzockt und 2008 den höchsten Verlust in ihrer Geschichte eingefahren. Was für eine Schweizer Bank aber noch viel schwerer wiegt: Der Staat musste ihr mit sechs Milliarden Franken zu Hilfe kommen – ein enormer Imageschaden für das Institut.

Auch das sogenannte Ende des Schweizer Bankgeheimnisses – tatsächlich besteht es in Teilen weiterhin – hatte die UBS 2009 ausgelöst: Die USA ersuchten die Schweiz damals um Amtshilfe aufgrund möglicher Steuerdelikte von amerikanischen UBS-Kunden – und Bern gewährte sie schließlich. Die Bank, deren Präsidium Axel Weber 2012 übernahm, war also mehr als angeschlagen.

Zehn Jahre später, an diesem Mittwoch, verlässt Weber die UBS plangemäß und macht Platz für den Iren Colm Kelleher, Ex-Präsident der US-Bank Morgan Stanley. Und man muss es so klar sagen: Axel Weber und das größte Geldhaus der Schweiz, das war für beide Beteiligten eine gute Sache.

Auch die UBS hatte in den vergangenen zehn Jahren ihre Skandale. Trotzdem gilt Weber insgesamt als Glücksfall für die Bank

Die Bank steht sehr gut da. 2021 erzielte sie den höchsten Dollargewinn seit 15 Jahren: 7, 5 Milliarden. Seit Webers Amtsantritt sind die verwalteten Vermögen von 2, 7 auf 4,6 Billionen Dollar angestiegen, und auch der Aktienkurs liegt heute 60 Prozent über jenem von 2012. Die zweite Schweizer Großbank, Credit Suisse (CS), hat die UBS damit weit hinter sich gelassen. Die Rivalin stolpert seit Jahren von einem Skandal zum nächsten, kämpft mit Altlasten, aber auch mit neuen Problemen. Seit 2020 beschreiben die Aktienkurse der beiden Häuser eine Art Schere, und nach einem Jahresgewinn von immerhin 2,7 Milliarden Franken 2020 ist die CS 2021 gar in die roten Zahlen gerutscht.

Im Gegensatz zu seinen Kollegen bei der CS weiß der abtretende UBS-Präsident offenbar, wie man eine taumelnde Großbank wieder auf die Beine stellt. Zwar sind auch der UBS in den vergangenen zehn Jahren Skandale unterlaufen: Für Aufregung sorgte etwa der Prozess wegen Steuerhinterziehung und Geldwäsche in Frankreich, bei dem die Bank 2019 in erster Instanz zu einer Rekordstrafe von 4,5 Milliarden Euro verurteilt worden war. Auch in zweiter Instanz wurde die Bank Ende 2021 für schuldig befunden, wenn auch die Richter die Buße deutlich senkten. Die UBS hat gegen dieses Urteil ebenfalls Berufung eingelegt.

Wie die CS hat auch die UBS Geschäfte mit dem US-Hedgefonds Archegos gemacht und nach dessen Zusammenbruch rund 800 Millionen Dollar Verlust eingefahren. Das ist deutlich weniger als die gut fünf Milliarden bei der CS, aber trotzdem nicht nichts.

Nicht zuletzt bleibt abzuwarten, ob Axel Webers Entscheidung, den Niederländer Ralph Hamers 2020 zum Konzernchef zu machen, eine gute Idee war. Noch immer laufen in Holland Ermittlungen gegen Hamers, der von 2013 bis 2020 Chef der niederländischen Bank ING war, in einer Zeit also, in der es bei der Bank zu schweren Verstößen gegen das Geldwäschereigesetz kam.

Trotzdem gilt Weber insgesamt als Glücksfall für die UBS. Zusammen mit dem früheren Konzernchef Sergio Ermotti strukturierte er die Bank radikal um, stutzte das Investmentbanking und richtete den Fokus entschieden auf die Vermögensverwaltung, bei der die UBS heute weltweit führend ist. Die meisten Altlasten aus risikoaffineren Zeiten hat sich die UBS mit teils hohen Geldzahlungen relativ geräuschlos vom Hals geschafft, während neue Skandale weitgehend ausgeblieben sind. “In meinen Augen ist eine langweilige Bank eine gute Bank”, sagte Weber jüngst dem Handelsblatt.

Und was kommt jetzt für den 65-Jährigen, der sich als “zu jung, um gar nichts zu tun”, bezeichnet? Bekannt ist lediglich, dass er die Leitung des von ihm mitgegründeten Center of Financial Studies in Frankfurt übernehmen wird. Doch wie aus UBS-Kreisen zu hören ist, soll das noch nicht alles sein. Zunächst aber will der gebürtige Pfälzer ein paar Monate Pause machen: Seine Frau habe ihn zum Reiseleiter der Familie ernannt.

Reference-www.sueddeutsche.de

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