Manager-Gehälter: Sie bekommen mehr, als sie verdienen – Kommentar

Manager-Gehälter: Sie bekommen mehr, als sie verdienen - Kommentar

Die Aufregung war groß, als vor gut zehn Jahren die Gehälter des Volkswagen-Topmanagements veröffentlicht wurden. Der damalige Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn, inzwischen lange außer Dienst und mit den juristischen Nachwehen des Diesel-Skandals sehr beschäftigt, stand im Mittelpunkt. Denn er kam auf etwa 17 Millionen Euro Jahressalär. Deutlich zu hoch, sagten damals viele. Eine Diskussion über ungezügelte Managergehälter kam in Gang. VW deckelte schließlich die Vorstandsgehälter bei zehn Millionen Euro im Jahr.

Darüber können sie bei Zalando wahrscheinlich nur schmunzeln. Rubin Ritter, der den Vorstand des Berliner Online-Modehändlers im vergangenen Jahr verließ, bekommt zum Abschied eine Vergütung von 89 Millionen Euro. Die beiden amtierenden Chefs, die Zalando 2008 gründet haben, kommen auf jeweils 45,5 Millionen Euro. Das sind enorme Summen, abgekoppelt von der Realität. Zum Vergleich: Der amtierende VW-Chef Herbert Diess etwa kam für 2020 auf 7,7 Millionen Euro. Zalando machte 2021 einen Umsatz von gut zehn Milliarden Euro, der Volkswagen-Konzern, größtes Industrieunternehmen in Europa, erreichte das 25-fache: 250 Milliarden Euro.

Womit können solche Unterschiede gerechtfertigt werden? Verdienen die Vorstände auch, was sie bekommen? Und wieviel ist die Arbeit von Managern überhaupt wert?

Sicher ist, dass die Arbeit der Zalando-Manager nicht sechs Mal besser ist als die des VW-Chefs, auch wenn sie sechs Mal mehr bekommen. Allgemein gilt: Schon seit langer Zeit geht die Schere zwischen dem Verdienst eines normalen Angestellten und dem Top-Management immer weiter auseinander. Zu erklären ist das nicht mehr, auch wenn Chefinnen und Chefs am Ende mehr Verantwortung für das Unternehmen und seine Beschäftigten tragen und ihren Job schneller los sein können.

Die Kluft zwischen Top- und Normalverdiener geht weiter auseinander

Maßhalten und Vernunft lautet deshalb das Gebot – in vielen Dax-Unternehmen ist das bereits angekommen. Die Vergütung des Vorstands hat nun ein ganz besonderes Augenmarkt, oft werden Obergrenzen eingeführt, die Kriterien für die Zahlung von Boni werden geschärft. Beispiele wie das von Zalando oder auch das des Lieferdienstes Delivery Hero, dessen Gründer im Vorjahr 45,7 Millionen Euro erhielt, sind da kontraproduktiv, auch wenn die hohen Summen formal zu erklären sind. Die Manager erhalten in der Tat nur vergleichsweise geringe Fixgehälter, sie haben aber vor sehr langer Zeit Aktienoptionen abgeschlossen, als die Firma noch klein und unbedeutend war. Inzwischen ist Zalando zu einem der größten Online-Händler in Europa geworden und sogar im Dax vertreten. Die Optionen, die nun ausgeübt werden, sind sehr im Wert gestiegen. Natürlich muss sich in Deutschland das Gründen von Unternehmen lohnen, es sollte dafür genügend Anreize geben. Exzesse und Selbstbedienung darf es aber nicht geben.

Gerade in der Pandemie zeigt sich auch ganz allgemein: Vorstandsgehälter sind oft unangetastet geblieben oder sanken leicht. Viele Beschäftigte oder Selbständige mussten dagegen teilweise herbe Einbußen hinnehmen, sie hat gerade Corona oft härter getroffen. Die Kluft zwischen Top- und Normalverdiener geht also weiter auseinander, das ist nicht zuletzt auch für den gesellschaftlichen Zusammenhalt schlecht.

Ein staatlicher Gehaltsdeckel für Manager wäre aber Unsinn. Abgesehen davon, dass solche Regelungen leicht umgangen werden könnten und möglicherweise auch die internationale Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtiget wird: Der Staat soll und kann sich nicht einmischen, wenn es um die Bezahlung von Managern geht. Das sollen die Unternehmen selbst entscheiden – und es ist letztlich die Sache der Eigentümer, im Fall von Zalando wie von allen anderen börsennotierten Firmen sind das die Aktionäre.

Reference-www.sueddeutsche.de

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