Mercedes will CO₂-Fußabdruck seiner Autos bis 2030 halbieren

Mercedes will CO₂-Fußabdruck seiner Autos bis 2030 halbieren

Wer verkauft die meisten Autos und macht dabei den größten Gewinn? Über Jahrzehnte war die deutsche Autoindustrie – und damit auch deren Investoren – von solchen Zahlen geprägt. Ob diese Wagen und ihre Herstellung viele Ressourcen verbrauchen, woher die Rohstoffe kommen und mit welcher Energie ein Werk betrieben wird: Das war lange Zeit nicht entscheidend, weder für die Käufer, noch für die Geldgeber.

Jetzt kommen gleich mehrere Krisen zusammen, die die Autobauer zum Umsteuern bewegen: Der Mangel an Halbleitern, die Folgen der Corona-Pandemie, der Kampf gegen den Klimawandel und der Krieg in der Ukraine. Getrieben vom Kapitalmarkt passiert der Umstieg zu nachhaltigem, ökologischem Wirtschaften schneller, als viele es noch vor ein oder zwei Jahren für möglich gehalten hätten. Mercedes-Benz hat am Montag deshalb zu einer digitalen Konferenz mit Investoren und Analysten geladen, die sich nur mit diesen Themen beschäftigt, zusammengefasst unter ESG (Environment, Social, Governance).

Denn bei allem Streben nach einem ökologischeren Lebensstil – Autos verkaufen, das wollen sie natürlich schon auch weiter in Stuttgart. Oder wie es Vorstandschef Ola Källenius formuliert: “Der Wunsch nach individueller Mobilität wird immer größer. Unsere Aufgabe ist, dieses Bedürfnis auf nachhaltige Weise zu erfüllen.”

2039 will Mercedes klimaneutral sein

Wie das gelingen soll, dazu hat der Autohersteller jetzt neue Zwischenziele präsentiert. Vor drei Jahren schon hatte das Unternehmen das Ziel ausgegeben, bis 2039 – und damit ein Jahrzehnt früher als im Pariser Klimaschutzabkommen für die Wirtschaft postuliert – CO₂-Neutralität zu erreichen. Bei seiner Nachhaltigkeitskonferenz konkretisierte Mercedes diesen Weg. Bis 2030 solle der CO₂-Ausstoß pro Neuwagen über den gesamten Lebenszyklus hinweg mindestens um 50 Prozent im Vergleich zum Jahr 2020 verringert werden. Für schnelleren Fortschritt beim Klimaschutz seien “maximales Engagement und mehr Zusammenarbeit zwischen Politik, Wirtschaft und der gesamten Gesellschaft” notwendig, sagte Källenius.

Denn klar ist: Nur wenn die Elektroautos mit Grünstrom gebaut, aber vor allem betrieben werden, kann dieses Vorhaben gelingen. Bis 2030 will Mercedes mehr als 70 Prozent des Energiebedarfs in der Produktion durch erneuerbare Energien decken. Die Erzeugung von Solar- und Windenergie an eigenen Standorten soll ausgebaut und mehr Grünstrom eingekauft werden. Dieses Vorhaben erscheint in der aktuellen Debatte um Energie-Abhängigkeiten im Zuge des russischen Krieges in der Ukraine besonders weitsichtig.

Daneben setzt Mercedes darauf, noch mehr Recyclingmaterialien zu nutzen, aber auch auf Fortschritte bei der Batterietechnologie. So erprobt der Hersteller all das bereits in einem Testfahrzeug namens EQXX. Dieses soll mit einer halb so großen und um ein Drittel leichteren Batterie als in der elektrischen Luxuslimousine EQS rund 1000 Kilometer am Stück schaffen. “Effizienz ist der Schlüssel,” sagte Entwicklungschef Markus Schäfer.

Der Konzern will Akkus ohne Kobalt nutzen

In einem Punkt folgen die Schwaben dem Weg, den Tesla bereits eingeschlagen hat: Auch Mercedes will zukünftig Akkus nutzen, die ohne Kobalt auskommen – ein Rohstoff, der wegen der Abbaubedingungen immer wieder in der Kritik steht. Denn Nachhaltigkeit fängt nicht erst da an, wo die Einzelteile in einer Werkshalle zu einem Fahrzeug zusammengebaut werden. Entlang der gesamten Lieferkette hat Mercedes deshalb “24 Rohstoffe mit erhöhtem Risiko” identifiziert, bei denen das Unternehmen noch genauer hinschauen will bei deren Gewinnung und Verarbeitung.

Bis 2030 will Mercedes in der Lage sein, nur noch vollelektrische Fahrzeuge zu bauen – mit der Einschränkung, dass es auch die jeweiligen Märkte zulassen. Auch wenn der Hersteller gerade erst bekannt gab, den Absatz von Elektroautos im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahr verdreifacht zu haben: Im vergangenen Jahr lag der Anteil verkaufter reiner Batteriefahrzeuge gerade mal bei 4,1 Prozent.

Reference-www.sueddeutsche.de

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