Der Staat muss besser über die Rente aufklären

Der Staat muss besser über die Rente aufklären

Für viele ältere Menschen ist es ein Glückstag: Jahrzehntelang haben sie hart gearbeitet und Beiträge an die Rentenkasse abgeführt. Und nun liegt er endlich in ihrem Briefkasten, der “Rentenbescheid” ihrer Rentenkasse. Doch statt Freude stellt sich bei Lektüre des Schriftstücks oft Ernüchterung ein.

Denn erst in diesem Moment, also viel zu spät, realisieren viele, dass der “Zahlbetrag” ihrer Rente deutlich geringer ausfällt, als sie glaubten, denn auch Ruheständler müssen Beiträge an Krankenkasse und Pflegeversicherung abführen. Und, ach ja, auf Seite 5 des Bescheids steht die Frage: “Muss ich meine Rente versteuern?” Antwort: “Ein Teil Ihrer Rente gehört zum steuerpflichtigen Einkommen. Ob Sie dafür tatsächlich Steuern zahlen müssen, können wir nicht beurteilen. Das kann nur Ihr Finanzamt prüfen.” Ende der Durchsage.

Ja, es stimmt: Schon in den “Renteninformationen”, die von der Rentenkasse Jahr für Jahr millionenfach an die Beitragszahler verschickt werden, steht gleich im ersten Absatz, “dass von der Rente auch Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge sowie gegebenenfalls Steuern zu zahlen sind”. Aber viele achten nur auf die fett umrahmten Zahlen und übersehen wichtige Textpassagen. Schon wähnen sie sich wohlhabender, als sie am Ende sind. Ist daran jeder selbst schuld?

Das führt zu der Grundsatzfrage: Tut der Staat in Deutschland eigentlich genug, um die Bürger früh über ihre finanziellen Absicherung im Alter zu informieren, weil sie nur so ausreichend vorsorgen können? Die Antwort heißt: nein.

Gerade erst wurde bekannt, dass von Juli an Zehntausende Ruheständler nur darum Steuern zahlen müssen, weil ihre Renten steigen. Und dass heute schon sechs Millionen der insgesamt 21 Millionen Rentner Steuern abführen, eine Folge der 2005 geänderten Rentenbesteuerung. Doch noch immer versteht kaum jemand, was das bedeutet.

Die Bundesregierung muss endlich die digitale Rentenübersicht einführen

Es wird höchste Zeit, dass die Bundesregierung eine schon seit den 2000er-Jahren diskutierte Neuerung endlich wahr macht: Sie muss für eine “Digitale Rentenübersicht” sorgen, die jedem Bürger – und nicht erst jedem Rentner – einen umfassenden Überblick über seine gesetzliche, betriebliche und private Altersvorsorge gibt. Andere Länder sind da längst weiter, voran Dänemark: Dort gibt es seit 1999 die Online-Plattform www.pensionsinfo.dk, die jeden über alle Sparten der Altersvorsorge informiert. Auch die Niederländer haben Vergleichbares, ähnlich Schweden und Belgien. Aber Deutschland?

Erst 2018 nahm die Bundesregierung unter Kanzlerin Angela Merkel das Projekt der “Digitalen Rentenübersicht” ernsthaft in Angriff. Im Februar vorigen Jahres trat das Gesetz dafür in Kraft. Das Ziel heißt: Unter dem Dach der Deutschen Rentenversicherung Bund soll eine digitale Plattform entstehen, auf der sich die Bürger “aktuell und nutzerfreundlich” einen Gesamtüberblick über ihre Altersvorsorge verschaffen können. Das soll auch bewirken, dass sich jeder frühzeitig um seine Altersvorsorge kümmert.

Ende des Jahres, so der letzte Stand, wird die Digitale Rentenübersicht endlich in Probebetrieb gehen, zunächst mit freiwillig angeschlossenen Vorsorgeeinrichtungen. Ein Jahr später ist der “Regelbetrieb” geplant. Hoffentlich findet man dort dann auch verständliche Informationen zur Rentenbesteuerung.

Für Ruheständler, die ihre Steuererklärung als Mühsal empfinden, gibt es aber schon jetzt einen Lichtblick: Seit Kurzem bieten die Finanzbehörden die Software “einfachElster” an, speziell für Rentner und Pensionäre. Dabei muss man die Daten zu Renten sowie Kranken- und Pflegeversicherung nicht mehr zusammensuchen, sie sind bereits eingetragen. Weil sie den Finanzämtern vorliegen. Genau genommen ist das schon so seit 2009.

Reference-www.sueddeutsche.de

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