Henkel gibt Russland-Geschäft nun doch auf, die Aktie fällt

Henkel gibt Russland-Geschäft nun doch auf, die Aktie fällt

Nein, so ein Rückzug fällt nicht leicht, zumal man damals früh dran war. Schon im Spätsommer 1990, Deutschland steckte noch mitten in der Wiedervereinigung, beteiligte sich die Firma Henkel an einem Waschmittel-Werk in Engels an der Wolga. Weitere Zukäufe und Neubauten sollten folgen: Fabriken für Reinigungsmittel, Kosmetika und Klebstoffe. Zuletzt erwirtschaftete Henkel etwa fünf Prozent des Konzernumsatzes in Russland.

Doch nach Putins Angriff auf die Ukraine soll dieses Kapitel der Unternehmensgeschichte enden: Henkel werde die Geschäfte in Russland aufgeben. Das hat der Vorstand nun entschieden, nach vergleichsweise langem Zögern. Man habe “vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen des Kriegs in der Ukraine” abgewogen, teilt die Firma um Marken wie Persil, Schwarzkopf oder Pritt mit. Henkel verurteile “die Gewalt gegen unschuldige Zivilisten”, erklärt Vorstandschef Carsten Knobel.

Damit folgen die Düsseldorfer doch noch dem Vorbild von Konzernen wie Siemens oder Volkswagen, die ihren Rückzug deutlich früher angekündigt haben. Letztlich habe eine “Summe aus verschiedenen Überlegungen” zu der Entscheidung geführt, erklärt ein Henkel-Sprecher.

Bleibenden Eindruck hat die virtuelle Hauptversammlung hinterlassen, zu der das Unternehmen vor gut zwei Wochen geladen hatte. Da mahnte etwa Jella Benner-Heinacher von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), dass sich Henkel mit einem Verbleib in Russland “zunehmend öffentlicher Kritik” aussetze. Es stelle sich die Frage, ob Henkel nicht einen erheblichen Image-Schaden erleide.

Henkel will Teile des Russland-Geschäfts verkaufen – womöglich an die eigenen Leute

Bereits zuvor hatte der Wirtschaftsberater des ukrainischen Präsidenten, Alexander Rodnyansky, Konzerne wie Henkel aufgefordert, ihre Geschäfte in Russland einzustellen. Andernfalls könnten sie mithelfen, den Angriffskrieg zu finanzieren, argumentierte Rodnyansky. Der Henkel-Sprecher verweist nun zudem auf Rückmeldungen, die von Kunden oder Beschäftigten eingegangen seien. Auch der Krieg in der Ukraine habe sich weiterentwickelt.

In der Hauptversammlung gestand Aufsichtsratschefin Simone Bagel-Trah ein, dass ein Verbleib Henkels in Russland “in der Öffentlichkeit zum Teil sehr kritisch gesehen” werde. Die Ur-Urenkelin des Firmengründers Fritz Henkel sprach von einem “echten Dilemma” und einer schwierigen Entscheidung. Henkel stelle in Russland ja vor allem Produkte des täglichen Bedarfs wie etwa Reinigungsmittel her.

“Ein Stopp unserer russischen Geschäfte kann weitreichende Konsequenzen haben”, mahnte Vorstandschef Knobel in dem Aktionärstreffen, “auch für unsere Mitarbeiter vor Ort.” Beispielsweise könnte die russische Regierung ausländische Unternehmen enteignen, die ihre Geschäfte in Russland einstellen. Da gehe es um “beträchtliche” Vermögenswerte, so Knobel. Auch könnten lokale Führungskräfte nach einem Rückzug haftbar gemacht werden. Henkel wolle daher keine “leichtfertigen Entscheidungen treffen”, gab Knobel die Linie vor.

Henkel betreibt elf Fabrik-Standorte in Russland und beschäftigt dort etwa 2500 Menschen. Diese werde man nun vorerst weiterbezahlen, kündigt der Konzern an. Man wolle zusammen mit der Belegschaft “an den Details arbeiten”, teilt Henkel mit, “um einen geordneten Ablauf zu gewährleisten.” Beispielsweise prüft die Firma, ob sie einzelne Geschäftsbereiche in Russland verkaufen könnte. Dies gilt allgemein freilich als schwierig, da kaum ein westliches Unternehmen derzeit in Russland investieren möchte. Alternativ erwägt Henkel, ob lokale Führungskräfte einzelne Teile des Russland-Geschäfts übernehmen könnten.

Da der Ausgang entsprechender Verhandlungen offen ist, könne Henkel “noch nicht näher” beziffern, wie teuer der Rückzug für den Konzern wird. An der Börse hat Henkel am Dienstag zeitweise drei Prozent an Wert verloren und zählte damit zu den schwächeren Titeln in Deutschlands Leitaktienindex Dax.

Reference-www.sueddeutsche.de

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