China und Corona: Zentralbank in Peking hält überraschend still

China und Corona: Zentralbank in Peking hält überraschend still

Trotz deutlicher Hinweise auf eine Konjunkturabkühlung durch die Corona-Welle und den Ukraine-Krieg hat die chinesische Zentralbank ihre Leitzinsen überraschend nicht gesenkt. Der Zins für einjährige Kredite wurde bei 3,7 Prozent gehalten, der für fünfjährige Darlehen bei 4,6 Prozent, wie die Notenbank am Mittwoch in Peking mitteilte.

Von Reuters befragte Experten hatten wegen der wirtschaftlichen Unsicherheiten mit einer Zinssenkung gerechnet – auch wegen der Null-Covid-Politik. Nach Corona-Ausbrüchen wie derzeit in Shanghai werden Millionen-Städte strikt in einen Lockdown geschickt. Das bremst Handel, Dienstleister, Industrie und somit die gesamte chinesische Konjunktur.

Pekings Zentralbank hatten Ende vergangener Woche ihre Geldpolitik gelockert: Sie verringerten den Betrag, den Banken als Mindestreserve halten müssen, um 530 Milliarden Yuan, das sind umgerechnet rund 77 Milliarden Euro. Je geringer dieser Satz ist, umso mehr Kredite können die Geldinstitute vergeben. Dieser Schritt geschah angesichts deutlicher Probleme für die Konjunktur: Der Einzelhandelsumsatz sank im März doppelt so stark wie erwartet, während die Arbeitslosenquote mit 5,8 Prozent so hoch ausfiel wie seit fast zwei Jahren nicht mehr. Die Hausverkäufe brachen im März sogar um mehr als ein Viertel ein. Das war der größte Rückgang seit dem Beginn der Corona-Pandemie Anfang 2020, was auch auf die Krise um den hoch verschuldeten Immobilienkonzern Evergrande zurückgeht.

Eine positive Entwicklung gibt es allerdings: Das Kreditwachstum war zuletzt robust. Vielleicht hat die Zentralbank deswegen die Leitzinsen nicht gesenkt. Das robuste Kreditwachstum auch ein Grund dafür sein könnte, dass die Banken die Benchmark für die Kreditvergabe nicht senkten. “Das deutet darauf, dass die Kreditnachfrage in den Augen der Banken jetzt nicht so schlecht ist”, sagte der China-Stratege beim Finanzhaus ANZ, Xing Zhaopeng. “Wir brauchen möglicherweise Geduld, um mehr Kreditdaten zu beobachten.” Er geht davon aus, das im Jahresverlauf noch Zinssenkungen folgen könnten. Marco Sun von der japanischen Bank MUFG rechnet sogar noch im Laufe des Frühjahrs mit einem solchen Schritt.

Die chinesische Regierung hält bislang ungeachtet des Kriegs in der Ukraine – der Europa als wichtigsten chinesischen Absatzmarkt wirtschaftlich hart trifft – an ihrem Wachstumsziel fest. Das Bruttoinlandsprodukt soll demnach in diesem Jahr um rund 5,5 Prozent wachsen. Der IWF hat seine Prognose für Chinas Wirtschaftsleistung Anfang der Woche gesenkt. Wegen Omikron werde das Land demnach wohl nur ein Plus von 4,4 Prozent erreichen. Im vergangenen Jahr hatte es noch zu 8,1 Prozent gereicht, da der Exportweltmeister von der Erholung der globalen Konjunktur von der Corona-Krise profitiert hatte.

Reference-www.sueddeutsche.de

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