Deutsche Banken steigern Gewinne trotz Kriegs-Risiken

Deutsche Banken steigern Gewinne trotz Kriegs-Risiken

Ist es ein Vorgeschmack auf schlechtere Zeiten oder im Gegenteil ein Hinweis, dass die beiden großen deutschen Banken ausreichend stabil sind, die immensen volkswirtschaftlichen Risiken infolge des Ukraine-Kriegs passabel zu überstehen? Letzteres wäre wohl eine gute Nachricht, sollte die Bundesregierung doch noch ein Embargo von russischem Gas beschließen oder aber sich gezwungen sehen Kreditkunden wie in der Corona-Pandemie erneut staatlich zu stützen, um eine Bankenkrise zu verhindern. Am Mittwoch jedenfalls überraschte einerseits die Commerzbank mit starken Zahlen im ersten Quartal, die vor allem auf “starkes Kundengeschäft” zurückzuführen gewesen sein sollen, wie Commerzbank-Chef Manfred Knof in einer Börsen-Pflichtmitteilung mitteilte. Die Aktie der Bank stieg daraufhin am Mittwoch um 2,8 Prozent.

Andererseits aber enttäuschte der größere Konkurrent, die Deutsche Bank, zugleich mit unerwartet hohen Kosten im ersten Quartal sowie niedrigeren Eigenkapitalreserven und zwar so sehr, dass der Aktienkurs zeitweise um bis zu 6,5 Prozent auf rund 9,50 Euro einbrach – womit das Geldhaus der größte Verlierer im Dax war und zu den Kursverlusten aus den Vortagen noch weitere hinzukamen. Finanzchef James von Moltke erklärte die hohen Kosten unter anderem mit den Gehältern, die man den Mitarbeitern im “Kampf um die Talente” eben zahlen müsse. Tatsächlich hatte das Geldhaus – nach Tradition des Hauses – für 2021 erneut hohe Boni gezahlt, obwohl der Konzernumbau noch nicht abgeschlossen ist.

Viele Anleger sorgten sich wohl auch, was die globale Unsicherheit nun für den Sanierungskurs der Deutschen Bank bedeuten könnte und fragten sich etwa, ob das Geldhaus ausreichend Risikovorsorge für faule Kredite gebildet hat. Die Sorgen kommen nicht von ungefähr: hohe Energiekosten, Inflation, ein mögliches Gas-Embargo, eine drohende Rezession oder sogar das vorläufige Ende der Globalisierung: die Weltwirtschaft stand lange nicht vor so großen Verwerfungen wie jetzt. Es wäre überraschend, würde dies alles spurlos an den Banken vorbeiziehen.

Noch sehen die Zahlen indes stabil aus: Denn immerhin hatte die Deutsche Bank am Mittwoch unter dem Strich auch einen Gewinn von 1,1 Milliarden Euro vermeldet, 17 Prozent mehr als im Vorjahresquartal und gleichbedeutend mit einer Eigenkapitalrendite von 8,1 Prozent. “Die Ergebnisse aller Geschäftsbereiche liegen im oder über dem Plan, und wir haben unseren höchsten Quartalsgewinn seit neun Jahren erzielt”, sagte Konzernchef Christian Sewing, zugleich aber habe der Krieg “das Potenzial”, die Gesamtjahresergebnisse zu beeinflussen. Im laufenden Jahr will die Bank eine Nachsteuerrendite von acht Prozent erreichen, die bis 2025 sogar auf mehr als zehn Prozent zulegen soll. Trotz der Kriegs-Unsicherheit hatte Sewing erst im März ehrgeizige Ziele verkündet und eine höhere Dividende versprochen.

Erneut aber zeigte sich auch die Abhängigkeit der Bank vom schwankungsanfälligen Investmentbanking, das weiter hohe Erträge liefern muss, damit das Geldhaus in die Kosten quasi hineinwachsen kann – eine durchaus riskante Strategie, schließlich kann man Kosten kontrollieren, Erträge nur bedingt. Auch im ersten Quartal trug das Investmentbanking 91 Prozent zum Vorsteuergewinns bei. Das etwas bravere Privat- und Firmenkundengeschäft, welches eigentlich im Zentrum von Sewings Strategie stehen sollte, bleibt weiterhin blass, auch wenn sich diese beiden Geschäftsbereiche im ersten Quartal besser entwickelten.

Auch bei der Commerzbank ist längst nicht bewiesen, ob Vorstandschef Knof nun die operative Wende geschafft hat, die er vor gut einem Jahr angekündigt hat. Testierte Zahlen veröffentlicht das Geldhaus erst in zwei Wochen. Vorläufig aber scheinen die Kapitalmarktzinsen auch zu höheren Erträgen zu führen. Und solange größere Kreditausfälle nicht in Sicht sind, läuft es dort offenbar rund.

Reference-www.sueddeutsche.de

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