Schweiz: Credit Suisse holt ehemaligen UBS-Chefjuristen

Seine Bilanz kann sich sehen lassen: Markus Diethelm, 64 Jahre alt, bis vor Kurzem Chefjurist der UBS, der größten Bank der Schweiz. Zusammen mit dem gerade ausgeschiedenen UBS-Präsidenten Axel Weber und dem früheren Konzernchef Sergio Ermotti sorgte er dafür, dass die Bank die meisten Probleme und Skandale der vergangenen Jahrzehnte hinter sich lassen konnte.

Jetzt soll Diethelm, ein in Zürich und Stanford ausgebildeter Jurist, seinen Ruf und seine Erfahrung bei der gebeutelten Credit Suisse einbringen. Mehrere Zeitungen hatten darüber unter Berufung auf Insider berichtet. Am Mittwochmorgen machte die Bank den Gerüchten ein Ende und gab die Personalie – zusammen mit weiteren Wechseln auf Geschäftsleitungsebene – bekannt: Demnach wird Markus Diethelm am 1. Juli als General Counsel anfangen.

Schweizer Bank: Markus Diethelm wird Chefjurist der Credit Suisse.

Markus Diethelm wird Chefjurist der Credit Suisse.

(Foto: THOMAS SAMSON/AFP)

Die Credit Suisse, zweitgrößte Bank auf dem Schweizer Finanzplatz, kann einen solchen Konzernjuristen gerade gut gebrauchen. Seit 2019 kommt das Institut nicht aus den Negativschlagzeilen heraus. Am Anfang der Skandalserie stand die Beschattungsaffäre rund um den Spitzenbanker Iqbal Khan, in deren Folge Konzernchef Tidjane Thiam Anfang 2020 seinen Rücktritt einreichte. Im Frühling 2021, da führte schon Thiams Nachfolger Thomas Gottstein die Bank, kam es erst zur Pleite von Greensill Capital, eines britisch-australischen Finanzkonglomerats, das sich auf Lieferketten-Finanzierung spezialisiert hatte. Die Pleite traf die Bank schwer. Kurz darauf kollabierte der US-Hedgefonds Archegos Capital, dem die Credit Suisse enorme Summen geliehen hatte. Keine mit Archegos verbandelte Bank blieb auf so hohen Verlusten sitzen wie die Schweizer Nummer zwei: mehr als fünf Milliarden Dollar.

Im Februar veröffentlichte schließlich die SZ ihre “Suisse Secrets”-Recherchen und machte öffentlich, dass die Credit Suisse über Jahrzehnte korrupte Autokraten, mutmaßliche Kriegsverbrecher, Drogendealer und andere Kriminelle als Kunden akzeptiert hatte. Die Bank wies die Vorwürfe zurück und betonte, dass ein Großteil dieser Konten längst geschlossen sei. Trotzdem verstärkten die “Suisse Secrets” den Eindruck, dass das Geldhaus mit systemischen Problemen kämpft.

Die Misere komplett machen die jüngsten, ebenfalls am Mittwoch veröffentlichten Zahlen: Im ersten Quartal 2022 verbuchte die Credit Suisse demnach einen Verlust von 273 Millionen Franken. Auch das Gesamtjahr 2021 endete wegen der Archegos-Pleite mit roten Zahlen.

Die Berufung von Markus Diethelm wirkt nun wie der Versuch eines Befreiungsschlags. Die Bank spielt die Personalie aber herunter und verweist auf die mehr als zehnjährige Amtszeit von Diethelms Vorgänger, Romeo Cerutti: Dieser habe darum gebeten, in den Ruhestand zu treten. Schon am Wochenende hatte die Credit Suisse der NZZ am Sonntag mitgeteilt, dass sich die Geschäftsleitung im Rahmen ihrer Reformstrategie “regelmäßig mit dem Thema Nachfolgeplanung und mit Ernennungen für gewisse leitende Positionen” beschäftige – soll heißen: alles ganz normal.

Trotzdem kann man Diethelms Start bei der Credit Suisse als Bruch interpretieren. Unter Cerutti war die Bank gerichtlich eher in Konfrontation gegangen. Diethelms Rezept sind dagegen Vergleiche. Auf diese Weise drückte er die Höhe der Strafgelder deutlich, die die UBS – wie viele andere Banken – seit der Finanzkrise 2008 zahlen musste.

Zum Beispiel im Steuerstreit mit den USA, als die UBS Kundendaten an das US-Justizministerium lieferte und dadurch eine vergleichsweise niedrige Buße von 780 Millionen Dollar zahlte. Die Credit Suisse dagegen musste 2014 happige 2,6 Milliarden Dollar an die USA überweisen. Beim Skandal um die illegalen Absprachen beim Referenzzins Libor entging die UBS dank Diethelm zumindest in Europa einer Strafe, weil sie sich Brüssel als Kronzeugin angeboten hatte. Allein im Steuerstreit mit Frankreich war Diethelm selbstbewusst vor Gericht gegangen. Das Verfahren ist noch nicht ausgestanden, aber immerhin konnte der UBS-Chefjurist die erstinstanzlich verhängte Rekordstrafe von 4,5 Milliarden Euro in der zweiten Instanz deutlich senken.

Reference-www.sueddeutsche.de

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