Hauptversammlung: RWE diskutiert über eine Trennung von der Kohle

Hauptversammlung: RWE diskutiert über eine Trennung von der Kohle

Wer eine RWE-Aktie kauft, beteiligt sich an einer fast schon kuriosen Mischung. Zwar erwirtschaftet Deutschlands größter Stromerzeuger mittlerweile fast die Hälfte seiner Gewinne mit Wind- und Solarparks in der halben Welt, Tendenz steigend. Doch noch ist RWE einer der größten CO₂-Emittenten Europas, mit Kohlekraftwerken und Tagebauen im Rheinland, für die weitere Dörfer weichen sollen.

Doch wie lange dieses kontrastreiche Gebilde noch bestehen soll, diese Frage prägte nun die Hauptversammlung von RWE. In den Hauptrollen: ein kritischer Investor. Ein Konzernchef, um Ruhe bemüht. Und Aktionäre, die allmählich unruhig werden.

Der Kritiker heißt Enkraft Capital, kommt aus der Nähe von München. Und obwohl die Firma nicht mal ein Prozent der Aktien besitzt, setzt sie RWE mit scharfen Briefen an die Chefetage unter Druck. Ins Aktionärstreffen brachte Enkraft einen Gegenantrag ein, der es in sich hat: Demnach soll RWE das klimaschädliche Kohlegeschäft schnellstmöglich abspalten. Nur so könne sich das Unternehmen unmissverständlich zu erneuerbaren Energien bekennen.

Wie so eine Trennung funktioniert, haben viele Konzerne vorgemacht: Beispielsweise erhielten Siemens-Aktionäre im Jahr 2020 zusätzlich Anteilsscheine der abgespaltenen Tochter Siemens Energy; Anteilseigner von Daimler bekamen jüngst Aktien der ausgelagerten Lastwagen-Sparte. Aktionäre können dann entscheiden, ob sie an beiden Teilen beteiligt bleiben wollen oder nicht.

Enkraft argumentiert, dass das Kohlegeschäft für RWE ökonomisch bald vernachlässigbar sei. Doch seinetwegen sei das ganze Unternehmen an der Börse weniger wert, als es ein rein erneuerbarer Erzeuger wäre. Die Kohle lenke den Vorstand davon ab, sich auf Wind und Sonne zu konzentrieren. “Die andauernde Untätigkeit des Vorstands ist nicht mehr zu rechtfertigen und inakzeptabel”, schimpft der Investor.

Die Bundesregierung will laut Koalitionsvertrag eine Stiftung für den Kohleausstieg prüfen

Vorstandschef Markus Krebber entgegnet, dass er den Konzern konsequent auf die “grüne” Energiewelt ausrichte. Er verweist auf Zuschläge für weitere Windparks, den Bau neuer Solarparks: “RWE wird grüner, größer und werthaltiger.” Bislang hält Krebber an dem politisch vereinbarten Plan fest, Braunkohlekraftwerke nach und nach bis spätestens 2038 abzuschalten. RWE stehe freilich “zu gegebener Zeit für Diskussionen bereit, den Kohleausstieg auf 2030 vorzuziehen”.

Eine Abspaltung der Kohlesparte würde den Wandel aber nicht beschleunigen, argumentiert Krebber. “Es würde dadurch keine einzige Tonne CO₂ eingespart.” Mit der Brechstange zu agieren, sei keine gute Unternehmensführung. Und lege sich die Hauptversammlung nun auf eine Abspaltung fest, verschlösse dies andere Optionen, warnt er, “wie das im Koalitionsvertrag der Bundesregierung genannte Stiftungsmodell”.

Tatsächlich heißt es im Papier von SPD, Grünen und FDP, dass man prüfen wolle, eine Stiftung oder Gesellschaft zu schaffen, “die den Rückbau der Kohleverstromung und die Renaturierung organisiert”. Als Vorbild dient die RAG-Stiftung im Ruhrgebiet: Seitdem Deutschland im Jahr 2018 aus dem Steinkohlebergbau ausgestiegen ist, zahlt die Stiftung mit den Erträgen ihres Vermögens die sogenannten Ewigkeitslasten, beispielsweise das Abpumpen von Wasser aus alten Bergwerken.

Analog könnte künftig eine Stiftung dafür einstehen, dass Deutschland möglichst schnell aus der Braunkohle aussteigt, und trotzdem keine Mondlandschaften in bisherigen Tagebauen hinterbleiben. Freilich bräuchte eine solche Stiftung jenes Kapital, das Unternehmen wie RWE für die sogenannte Renaturierung zur Seite gelegt haben.

Neben Enkraft betonen weitere Aktionäre, dass der Kampf gegen den Klimawandel pressiere. Dennoch hält beispielsweise Union Investment, die Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken, eine schnelle Abspaltung des Kohlegeschäfts nicht für zielführend. “Der Umwelt ist nicht geholfen, wenn RWE weniger CO₂ emittiert und dafür ein anderer Eigentümer die rheinische Braunkohle verstromt”, argumentiert Vertreter Henrik Pontzen: “Kohle gehört nicht in andere Hände, sondern abgeschafft.”

Letztlich stimmen in der Hauptversammlung nur 2,44 Prozent der vertretenen Aktionäre für den Gegenantrag von Enkraft. In Erinnerung bleiben freilich auch ambivalente Beiträge wie der von Deka: Das Sparkassen-Fondshaus befürwortet im Grunde, dass RWE die Kohlesparte abspalten sollte. “Sollte es eine bessere Alternative als eine Stiftungslösung geben, ist diese zu verfolgen”, fordert Deka-Vertreter Ingo Speich. Dennoch stimmte er gegen den Antrag von Enkraft, weil er die Optionen von RWE nicht vorschnell begrenzen wolle. “Es müssen Entscheidungen her”, mahnt Speich, aber auch: “Wir werden den kompletten RWE-Vorstand samt Aufsichtsrat in dieser speziellen Angelegenheit messen und unser Urteil auf der nächsten Hauptversammlung fällen.”

Reference-www.sueddeutsche.de

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