US-Wirtschaft schrumpft zu Jahresbeginn überraschend um 1,4 Prozent

US-Wirtschaft schrumpft zu Jahresbeginn überraschend um 1,4 Prozent

Die US-Wirtschaft ist im ersten Quartal des laufenden Jahres überraschend geschrumpft. Wie die Regierung in Washington am Donnerstag mitteilte, ging das Bruttoinlandsprodukt (BIP) von Januar bis März auf das Gesamtjahr hochgerechnet um 1,4 Prozent zurück. Experten hatten hingegen mit einem Zuwachs von rund einem Prozent gerechnet. Noch im Schlussquartal 2021 hatte das BIP um 6,9 Prozent zugelegt.

Das Amt für Wirtschaftsanalysen begründete die Entwicklung unter anderem mit dem Wiederaufflammen der Corona-Pandemie in den USA , einem Rückgang staatlicher Hilfen sowie gesunkenen Lagerbeständen und Exporten. Dies habe auch durch gestiegene Konsumausgaben und höhere Anlageinvestitionen nicht wettgemacht werden können. Eine Rolle dürfte auch der russische Überfall auf die Ukraine sowie der Ausbruch der Omikron-Variante in China gespielt haben, der zu Produktionsausfällen und zu Lieferstopps bei wichtigen Vorprodukten aus der Volksrepublik geführt hat.

Der unerwartete Rückgang des BIP schürt nicht nur die Angst vor einem Abrutschen der US-Wirtschaft in die Rezession, er macht auch die ohnehin schwierige Aufgabe der Notenbank (Fed) noch komplizierter: Diese sieht sich einerseits gezwungen, mithilfe von Leitzinserhöhungen die Inflationsrate einzudämmen, die mit zuletzt 8,5 Prozent den höchsten Wert seit 40 Jahren erreicht hat und immer mehr zum Konjunkturrisiko wird. Zugleich muss sie aber befürchten, dass die vielen Krisen auf der Welt das Wirtschaftswachstum in den USA weiter dämpfen. Erhöht die Fed die Zinsen in dieser Situation zu schnell oder zu drastisch, würgt sie den Aufschwung womöglich vollständig ab oder löst gar die nächste Rezession aus. Das Ergebnis könnte eine sogenannte Stagflation sein, eine Kombination also aus schrumpfender Wirtschaftsleistung bei gleichzeitig stark steigenden Preisen – ein Horrorszenario für jeden Notenbanker.

Ob die Fed die Zinsen am Mittwoch anheben wird, ist nun wieder offen

Bis zu diesem Donnerstag waren Fed-Chef Jerome Powell und seine Kollegen davon ausgegangen, dass die Inflationsrate das größere Risiko ist. Praktisch alle Experten erwarteten deshalb bisher, dass der geldpolitische Ausschuss der Notenbank seinen wichtigsten Leitzins, die sogenannte Tagesgeldzielspanne, bei der turnusmäßigen Sitzung am kommenden Dienstag und Mittwoch um einen halben Punkt auf dann 0,75 bis ein Prozent anheben wird. Ende des Jahres, so die Erwartung, könnte die Obergrenze des Korridors nach zwei Nullzinsjahren sogar wieder in “neutralem Terrain” zwischen zwei und 2,5 Prozent liegen – auf einem Niveau also, bei dem die Konjunkturentwicklung nach Überzeugung der Notenbanker weder künstlich befeuert noch gebremst wird.

Ob es bei diesem Kurs, den führende Vertreter der Fed selbst angedeutet hatten, bleiben kann, ist nach der Veröffentlichung der BIP-Zahlen nun wieder völlig ungewiss. Mut machen können den Notenbankern allein die gestiegenen Konsumausgaben sowie die höheren Anlageinvestitionen der Unternehmen, die darauf hindeuten, dass die Wirtschaft weiterhin auf einem recht stabilen Fundament steht. Hinzu kommt ein eher mathematischer Effekt, der den Quartalsbericht ein Stück weit verfälscht: Die BIP-Zahl zu Jahresbeginn war nämlich auch deshalb so schlecht, weil der Vergleichswert des Vorquartals durch die amtliche Statistik künstlich aufgeblasen gewesen war. Wie der deutliche Anstieg der Lagerbestände vor allem im Dezember zeigt, erhöhten viele Firmen in den Schlussmonaten des vergangenen Jahres zwar die Produktion deutlich, konnten aber längst nicht alle der Waren auch tatsächlich an die Endkunden verkaufen. Viele Güter landeten stattdessen in den Depots.

Zwischen Januar und März war es nun tendenziell andersherum: Ein Teil des nach wie vor recht stabilen US-Konsums wurde nicht durch die aktuelle Fertigung, sondern durch Produkte befriedigt, die die Firmen noch auf Lager hatten. Oder anders gesagt: Die offizielle BIP-Zuwachsrate im Schlussquartal 2021 überzeichnete die tatsächliche Lage, die Zahl für die ersten drei Monate 2022 unterzeichnet sie ein wenig.

Reference-www.sueddeutsche.de

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