Wintershall Dea am Wendepunkt

Wintershall Dea am Wendepunkt

Der Krieg Russlands in der Ukraine trifft den Öl- und Gaskonzern Wintershall Dea hart. Für das erste Quartal 2022 weist der Konzern nach hohen Wertberichtigungen eine Milliarde Euro Verlust aus. “Der Krieg ist ein fundamentaler Wendepunkt für die Geopolitik und für Wintershall”, sagte Vorstandschef Mario Mehren in einer Videoschalte. Wintershall Dea arbeite seit mehr als drei Jahrzehnten mit russischen Konzernen zusammen. Mit dem Krieg in der Ukraine habe Russland eine “rote Linie” überschritten. Ein “Business as usual” könne es nicht geben. Er verstehe die Forderungen nach einem sofortigen Importstopp, sagt Mehren, die Gasimporte aus Russland könnten ersetzt werden, aber nicht so schnell.

Investitionen in neue Projekte in Russland und mit russischen Firmen außerhalb des Landes werde es nicht geben, sagte Mehren. Der Konzern wolle sein Portfolio in anderen Ländern stärken. An bestehenden Projekten halte Wintershall Dea fest. “Bei einem Rückzug würden Vermögenswerte in Milliardenhöhe an Russland fallen”, so Mehren. Er rechne nicht mit Enteignungen. Russland werde sich an Verträge und Investitionsschutzabkommen mit Deutschland und anderen Staaten halten, “so wie wir auch.” Wintershall Dea selbst importiere kein Erdgas aus Russland. Das Monopol dafür liege abgesehen von wenigen Ausnahmen für Flüssiggas beim russischen Konzern Gazprom, so Mehren.

Wintershall Dea und Gazprom haben eine lange, intensive Beziehung

Es ist ein Gespräch unter besonderen Bedingungen. In Russland stehe der Gebrauch des Wortes Krieg unter Strafe, aber man werde die Dinge beim Namen nennen, so der Pressesprecher zu Beginn der Videoschalte am Donnerstag. Ihm zufolge nehmen auch viele Journalisten aus Russland teil. Zu ihrem Schutz würden die Namen in der Fragerunde nach der Präsentation nicht genannt.

Wintershall Dea und Gazprom, das ist eine lange intensive Beziehung, die die Vorläufer der beiden Konzerne Anfang der 90er begannen. Damals gehörte Wintershall noch allein dem Chemiekonzern BASF. Heute hält er knapp 73 Prozent am Grundkapital und betrachtet Wintershall Dea als “nicht integrale” Beteiligung. BASF-Finanzchef Hans-Ulrich Engel ist Aufsichtsratschef. Ein Börsengang wurde mehrmals verschoben. Wintershall-Dea-Chef Mehren will sich im Detail nicht äußern, er verweist auf die Gesellschafter. “Technisch sind wir bereit für einen Börsengang”, so Mehren: “Aber wir leben in sehr unsicheren Zeiten.”

An der Nord Stream AG hält Wintershall Dea 15,5 Prozent

In den sibirischen Feldern Urengoiskoje und Juschno-Russkoje fördern Wintershall Dea und Gazprom Erdgas. An der Transportfirma Wiga mit ihrem mehr als 4140 Kilometer langen Fernleitungsnetz in Deutschland, das von ihren Tochtergesellschaften Gascade Gastransport, NEL Gastransport und Opal Gastransport betrieben wird, sind Wintershall Dea und Gazprom Germania je rund zur Hälfte beteiligt. Die deutsche Tochter des russischen Konzerns steht seit dem 4. April unter treuhänderische Verwaltung der Bundesnetzagentur.

An der Nord Stream AG (Nord Stream 1) hält Wintershall Dea 15,5 Prozent, Gazprom International Projects 50,01 Prozent. Während des zehnjährigen Betriebs sind laut Geschäftsbericht mehr als 440 Milliarden Kubikmeter Erdgas über die Pipeline geflossen. Bei Nord Stream 2 sei Wintershall Dea nur ein Finanzinvestor gewesen und treffe keine operativen Entscheidungen, heißt es. In seinem am 24. Februar, da begann Putins Krieg gegen die Ukraine, veröffentlichen Geschäftsbericht 2021 schätze der Energieversorger Wintershall Dea das Risiko, dass die Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 nicht in Betrieb geht, noch als unwahrscheinlich ein. Momentan sieht es nicht so aus, als würde durch die Röhren auf dem Grund der Ostsee jemals Erdgas von Russland nach Deutschland fließen. Die eine Milliarde Euro, die Wintershall Dea Nord Stream 2 geliehen hat, sind abgeschrieben. 2021 steuerte Russland rund ein Fünftel zum Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Explorationskosten des Konzerns von 3,8 Milliarden Euro bei.

Wintershall Dea AG “ist nicht sanktioniert, weder unmittelbar noch von Rechts wegen”, so ein Pressesprecher. Wohl aber die beiden Aktionäre Mikhail Fridman und Petr Aven des Investitionsvehikels Letter One mit Sitz in Luxemburg. Gegen die beiden Männer hat die EU, so sieht sie das, wegen enger Verbindungen zu Wladimir Putin Sanktionen verhängt. Letter One hält rund ein Drittel des Kapitals an Wintershall Dea. Aus dem Verwaltungsrat von Letter One wurden Fridman und Aven mittlerweile entfernt, ihre Anteile eingefroren. Das Einfrieren der Vermögenswerte habe keine Auswirkungen auf das operative Geschäft von Winterhall Dea, so der Pressesprecher.

Reference-www.sueddeutsche.de

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