Strom: Steag steht vor der Aufteilung

Strom: Steag steht vor der Aufteilung

Die Hoffnung war groß, als sechs Stadtwerke vor einem Jahrzehnt die Steag übernahmen, einen der größten Betreiber von Steinkohlekraftwerken in Deutschland: Man wolle das Unternehmen “perspektivisch als großen Player der Energieversorgung” etablieren, tönten Kommunen wie Duisburg. Etwa 1,2 Milliarden Euro zahlten die Stadtwerke damals, um Steag in zwei Schritten zu kaufen. Kreditfinanziert, versteht sich, obwohl Kommunen wie Oberhausen oder Essen schon hoch verschuldet waren.

Doch aus dem “großen Player” ist ein Sorgenfall geworden: Deutschland will alle klimaschädlichen Kohlemeiler bis spätestens 2038 schrittweise vom Netz nehmen, wenn nicht schon bis 2030. Hinter der Steag liegen verlustreiche Jahre mit dem Abbau Hunderter Arbeitsplätze – und überschaubaren Ausschüttungen an die Eigner.

Nun steht der Steinkohlen-Elektrizität AG (Steag) die große Zäsur bevor: Der Konzern mit etwa 5700 Beschäftigten will sich zweiteilen in das Kohlegeschäft einerseits und regenerative Energien andererseits. Dies sei im Grundsatz beschlossen und mit Städten, Arbeitnehmervertretern und Banken abgestimmt, teilt Steag mit. Die endgültige Entscheidung solle voraussichtlich im Herbst fallen.

Ziel sei es, den Eigentümern “einen Verkauf ihrer Anteile zu angemessenen Konditionen zu ermöglichen”, sagt Steag-Chef Andreas Reichel. “Die Chancen, dass das zweigeteilte Unternehmen als Ganzes verkauft werden kann, sind zuletzt deutlich gestiegen.” So profitieren Kohlekraftwerke davon, dass die Strompreise gestiegen sind und auch der konkurrierende Energieträger Gas viel teurer geworden ist. Angesichts eines drohenden Lieferstopps für Gas aus Russland überlegt der Bund gar, ob Kohlekraftwerke nicht länger in Bereitschaft bleiben könnten als bislang geplant.

Eine Hoffnung wäre, Kohlekraftwerke in Deutschland in eine Stiftung einzubringen

Steag könne sich aber auch vorstellen, zumindest das Kohlegeschäft in Deutschland in eine Stiftung einzubringen. Tatsächlich wollen die Ampelparteien im Bund laut Koalitionsvertrag prüfen, ob man eine Stiftung oder Gesellschaft schaffen könnte, “die den Rückbau der Kohleverstromung und die Renaturierung organisiert”. Freilich bräuchte eine solche Stiftung anfangs wohl viel privates Kapital.

Im Fall Steag bliebe dann jedenfalls der sogenannte grüne Bereich mit etwa 3800 Beschäftigten übrig. Dazu zählen beispielsweise Wind- und Solarparks, auch im europäischen Ausland, sowie die regionale Wärmeversorgung mit Erdwärme oder Biomasse. Er fuhr im vorigen Jahr gut 40 Prozent der Betriebsgewinne des Konzerns ein.

Immerhin geht Steag mit recht ermutigenden Zahlen auf Käufersuche. So sei der Umsatz voriges Jahr auf knapp 2,8 Milliarden Euro gestiegen, dank der höheren Strompreise meldet das Unternehmen gut 300 Millionen Euro Gewinn. “Dieser positive Trend wird sich auch im laufenden Geschäftsjahr fortsetzen”, heißt es. In den Rathäusern dürfen sie nun auf ein glimpfliches Ende hoffen.

Reference-www.sueddeutsche.de

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